Das 1871 von der Diakonie der Waldenserkirche gegründete Gould-Institut unterstützt sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche mit Programmen, die ihre Fähigkeiten, Talente und Bestrebungen fördern.

Das Institut wurde 1871 von James und Emily Gould in Rom als evangelische Berufsschule gegründet und nahm italienische Kinder beiderlei Geschlechts auf. Anfangs hatte die Schule ihren Sitz in einem Raum, den die Waldensische Mission zur Verfügung stellte, aber schon bald stieg die Anzahl der Schüler und die Gould Home mietete Räume in einem alten Kloster an, um die Schule dort unterzubringen. Als Emily Gould 1875 starb, wurde Garneri Schulleiter, der die Finanzen der Schule rationalisierte und eine Reihe von Werkstätten für die Berufsausbildung der Schüler einrichtete. Einige Monate nach dem Tod von James Gould im Jahr 1880 wurde in New York die Società per la libera educazione italiana (Gesellschaft für die frei Erziehung in Italien) gegründet und das Institut einem schottischen Pfarrer anvertraut, während Pietro Monet von der Waldenserkirche Schulleiter wurde. Im Laufe der Jahre folgten ihm weitere Leiter, bis 1898 die New Yorker Gesellschaft entschied, den Besitz der Gould der Waldenserkirche zu übergeben. In der Zwischenzeit war das Gould-Institut in neue Räumlichkeiten umgezogen, die dank verschiedener Schenkungen gekauft werden konnten.
Danach führte eine Reihe von Veränderungen dazu, dass nur noch männliche Jugendliche aufgenommen wurden. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs beschloss man aufgrund finanzieller Schwierigkeiten, das Gebäude in Rom zu verkaufen, in dem das Institut untergebracht war. Die Gould-Schüler zogen nach Florenz in den Palazzo Salviati um. In Florenz nahm das Gould-Institut vor allem Waisen oder Kinder aus sozial benachteiligten Familien auf, von denen eine wachsende Zahl eine höhere Schule besuchte. Unter Schwierigkeiten, aber mit großer Entschlossenheit und der Hilfe der Waldenserkirche in Florenz, übersteht das Institut die Jahre des Faschismus und des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Krieg wirkt sich die veränderte Situation Italiens auch auf Zöglinge des Gould-Instituts aus: Es kommen mehr Kinder aus Süditalien hinzu, die „vorübergehend Waisen“ werden, da ihre Eltern Migranten sind; nun werden Kinder und Jugendliche von 5 bis 20 Jahren aufgenommen, die natürlich ganz unterschiedliche Bedürfnisse haben und von denen einige einer besonderen Betreuung bedürfen. Die Schulleiter meistern die neuen Herausforderungen in einem im Wiederaufbau befindlichen Land und ebnen den Weg für das, was das Gould-Institut heute ist.

Das Gould-Institut setzt seine Arbeit auch heute fort und unterstützt Kinder und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen mit vier verschiedenen Projektbereichen und Aktivitäten, die mit der Gemeinde Florenz, dem Sozialamt und dem Vormundschaftsgericht koordiniert werden. Im Moment gibt es folgende Projekte:

CASA ARCO und CASA COLONNA: Zwei Familienwohnungen, in denen Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 (manchmal auch 21 Jahren) Aufnahme finden. Sie werden von den Sozialdiensten der Gemeinde Florenz vermittelt, wenn die Familienverhältnisse es erforderlich machen – aus ganz unterschiedlichen, allerdings niemals ökonomischen Gründen – oder eine Adoption fehlschlägt, und umfassend betreut, in der Schule, der Freizeit und den Ferien, außerdem erhalten sie psychologische Unterstützung. Insbesondere werden sie bei der Entwicklung ihrer besonderen Fähigkeiten, Talente und Bestrebungen gefördert.
TAGESBETREUUNG LA LIMONAIA: Diese Einrichtung ist sieben Stunden am Tag geöffnet und nimmt 25 Jugendliche aus Familien auf, die zeitweise nicht in der Lage sind, sich um ihre Erziehung zu kümmern. Das Zentrum tritt vorübergehend an die Stelle der Eltern und bietet mit Bezugspersonen, die immer zur Verfügung stehen, einen stabilen Rahmen.
CASA PER L´AUTONOMIA: Dieses Projekt bietet jungen Menschen zwischen 18 und 21 Jahren die Möglichkeit, ein eigenständiges Leben zu erproben. Auch in diesem Fall werden sie vom Sozialamt vermittelt. Ursprünglich war dieses Projekt für Jugendliche mit geringen Beeinträchtigungen gedacht, während es sich heute mehr um solche mit ernsten Problemen kümmert, die häufig psychischer Natur sind.

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